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Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 121 Abbildung 46: Abtretung des Eigentums am Wissen und Technologien in der Hälfte der Fälle oder häufiger nach Empfängern und Organisationstypen, Grösse in Beschäftigten, Grösse in Wissen- schaftlern und Fachgebiet, 2015–17 Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Abbildung 47: Anteil der Institute, die das Eigentum am Wissen und Technologien in der Hälfte der Fälle oder häufiger abtreten nach Empfängern und Partnern im Wissensaustausch, 2015–17 Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 122 4.2.4 Unterstützung durch intermediäre Organisationen Der Wissens- und Technologietransfer wird schweizweit durch eine Vielzahl von intermediären Or- ganisationen (IO) unterstützt, die im Auftrag von Bund, Kantonen, Gemeinden, Hochschulen und Forschungsorganisationen, Wirtschaftsverbänden, Branchenverbänden, Banken oder anderen Or- ganisationen aktiv werden. Abstrahierend von der einzelnen Organisation wird nachfolgend ein Überblick darüber gegeben, a) welche Organisationstypen in den Instituten bekannt sind, b) wie ihre Bedeutung eingeschätzt wird, und c) welche Eigenschaften die als bedeutend eingestuften Organi- sationen aufweisen. a) Verfügbarkeit. Die öffentliche Innovationsförderung steht grundsätzlich allen zur Verfügung – ex- plizit sehen dies auch knapp zwei Drittel der Befragten so. Immerhin noch von etwas mehr als der Hälfte der Institute gibt an, dass die für die Organisation zuständige WTT-Stelle zu ihrer Verfügung steht. Alle anderen Organisationstypen sind jeweils bei deutlich weniger Instituten in der Wahrneh- mung präsent (Abbildung 48). Circa 12% der Befragten oder 105 Institute geben an, dass ihnen keine der aufgelisteten Organisationen zur Verfügung stand. In den offenen Antworten wurde dabei deutlich, dass die Befragten sich i.d.R. bislang nicht mit dem Wissensaustausch bzw. solchen Orga- nisationen befasst und deshalb keinen Bedarf für Unterstützung hatten. Abbildung 48: Angaben der Institute zu den zur Verfügung stehenden intermediären Organisationen 2015–17 Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). b) Bedeutung. Zusätzlich zur Verfügbarkeit wurde auch die Bedeutung eines jeden Organisations- typs für den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit mit Unternehmen erfragt (Abbildung 49). Damit kann die Intensität der Nutzung und die Wirkung der IO auf den Wissensaustausch approxi- miert werden. Die mit Abstand grösste Bedeutung für den Wissensaustausch wird den Einrichtungen der öffentlichen Innovationsförderung zugewiesen: ca. 40% der Institute stufen diese als bedeutend Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 123 oder sehr bedeutend ein. Wissens- und Technologietransferstellen werden von rund einem Viertel der Institute als bedeutend bezeichnet. Für alle weiteren erfragten Organisationstypen sind die Un- terschiede gering und jeweils 80% der Institute oder mehr geben ihnen keine oder nur sehr geringe Bedeutung und weniger als 10% geben ihnen grosse oder sehr grosse Bedeutung. Die Breitenwir- kung der intermediären Organisationen ist damit mit Ausnahme der Innovationsförderung und punk- tuell der WTT-Stellen recht gering. Abbildung 49: Bedeutung der zur Verfügung stehenden intermediären Organisationen für den Wis- sensaustausch der Institute, 2015–17 Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Unterscheidet man im nächsten Schritt die Institute wiederum nach ihrem Organisationstyp, dem Fachgebiet und der Grösse (gemessen in Beschäftigten und in Wissenschaftlern), so ergeben sich einige signifikante Unterschiede in der Bedeutung der intermediären Organisationen (Abbildung 50): • Organisationstyp. Insbesondere die ETH-Einrichtungen und die Fachhochschulen weisen spezifische Muster auf: im ETH-Sektor stufen immerhin 45% der Institute die öffentliche Inno- vationsförderung als bedeutend oder sehr bedeutend ein und 31% äussern dies im Hinblick auf die WTT-Stellen. In den FH geben sogar mehr als drei Viertel aller Institute der Innovati- onsförderung eine grosse oder sehr grosse Bedeutung. Immerhin je 22% der FH-Institute und damit prozentual deutlich mehr als in den anderen Organisationstypen bewerten auch koope- rative Forschungsinstitute und Kompetenzzentren und thematische Netzwerke und Clusteror- ganisationen als bedeutend. Bei den Universitätsinstituten fällt auf, dass sie praktisch allen IO seltener Bedeutung zuordnen, als Institute der anderen Organisationstypen. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 124 • Fachgebiet. Ein grösserer Anteil der Institute in den Ingenieurwissenschaften gibt jeweils den IO Bedeutung für ihren Wissensaustausch, als in den anderen Fachgebieten. Dies reflektiert ohne Zweifel die grössere Beteiligung der Ingenieurinstitute am WTT bzw. im Umkehrschluss die geringere Beteiligung der anderen Fachgebiete. Auch die Institute der Medizin und Agrar- wissenschaften geben den WTT-Stellen überdurchschnittlich häufig hohe Bedeutung. Für wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Institute scheinen kooperative Forschungsinstitute und Kompetenzzentren ein leicht stärkeres Gewicht zu haben. • Grösse. Grössere Institute geben jeweils allen IO häufiger eine grosse oder sehr grosse Be- deutung, als kleinere Institute. Auch dies spiegelt wiederum die mit der Grösse zunehmende Beteiligung am Wissensaustausch wider. Abbildung 50: Anteil der als bedeutend oder sehr bedeutend bewerteten intermediären Organisatio- nen für den Wissensaustausch der Institute nach Organisationstyp, Fachgebiet und Grösse Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 125 Die Bedeutung intermediärer Organisationen korreliert teilweise mit der Nutzung und Bedeutung von Wissenstransfermechanismen. Von den Unternehmen, die der öffentlichen Innovationsförderung keine oder eine geringe Bedeutung geben, sagen nur 38%, dass Forschungskooperationen mit Un- ternehmen eine sehr grosse/grosse Bedeutung haben. Wenn die öffentliche Innovationsförderung mittlere Bedeutung hat, dann geben 44% Forschungskooperationen mit Unternehmen eine sehr grosse/grosse Bedeutung, und wenn sie hohe Bedeutung hat, dann sind dies 73% (vgl. Abbildung 51, links, Indikator 1). Ähnlich sieht es auch für die anderen forschungsnahen und informellen Trans- fermechanismen aus: ihre Bedeutung korreliert jeweils mit der Bedeutung der Innovationsförderung von Bund, Kantonen und Gemeinden. Auch für Thematische Netzwerke und Clusterorganisationen zeigen sich positive Zusammenhänge zur Bedeutung der hier untersuchten informellen und for- schungsbasierten Transfermechanismen (Abbildung 51, rechts, Indikatoren 1–8). Abbildung 51: Bedeutung von Wissenstransfermechanismen nach der Bedeutung von ausgewählten intermediären Organisationen der Innovationsunterstützung (% der Institute, für die der Transferme- chanismus bedeutend ist) Lesehilfe: Von den Instituten, die der öffentlichen Innovationsförderung keine oder eine geringe Bedeutung geben, sagen 38%, dass Forschungskooperationen mit Unternehmen eine sehr grosse/grosse Bedeutung haben. Wenn die öffentliche Innovationsförderung mittlere Bedeutung hat, dann geben 44% Forschungskooperationen mit Unterneh- men eine sehr grosse/grosse Bedeutung, und wenn sie hohe Bedeutung hat, dann sind dies 73%. Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 126 Zwischen den lehrbasierten Transfermechanismen, hier wurden die Anzahl von Bachelor- und Mas- terarbeiten mit Unternehmen, die Anzahl Dissertationen mit Unternehmen und die Weiterbildungsab- schlüsse untersucht, und der Bedeutung von IO gibt es keine klaren Zusammenhänge (Abbildung 52,Group Publishing Limited. Friedman, J., & Silberman, J. (2003). University Technology Transfer: Do Incentives, Management, and Location Matter? The Journal of Technology Transfer, 28(1), 17–30. Galán‐Muros, V., & Plewa, C. (2016). What drives and inhibits university‐business cooperation in Europe? A comprehensive assessement. R&D Management, 46(2), 369–382. Gantenbein, P., Herold, N., & Zaby, S. (2011). Die KTI-Start-up-Förderung für innovative Schweizer Jungunternehmen - Ein empirischer Vergleich gelabelter und nichtgelabelter Unternehmen. Basel. 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Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 160 7 Abkürzungen aF&E Angewandte Forschung und Entwicklung BFI Bildung, Forschung und Innovation BFS Bundesamt für Statistik BSP Bruttostichprobe CFK Kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe DARPA Defense Advanced Research Projects Agency Empa Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa-ADAPT Empa Forschungsgruppe Alloy Design for Advanced Processing Technologies Empa-LSG Empa Forschungsgruppe Laserspektroskopie Empa-SER Empa Labor für Ingenieur-Strukturen EPFL Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne ESA-BIC European Space Agency Business Incubation Centre ETH Eidgenössische Technische Hochschulen ETH-QOG ETH Quanten Optoelektronik Gruppe EU Europäische Union F&E Forschung und Entwicklung Fe-SMA eisen-basierte Formgedächtnislegierung (ferrous Shape Memory Alloy) FH Fachhochschulen IR Infrarot KMU Kleine und mittlere Unternehmen KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KTI Kommission für Technologie und Innovation LIDT Laserinduzierte Zerstörschwelle (Laser Induced DamageThreshold) MNU Multinationale Unternehmen NiTi-SMA Nickel-Titan Formgedächtnislegierung (nickel-titanium Shape Memory Alloy) NTN Nationales Thematisches Netzwerk QCL Quantenkaskadenlaser (Quantum Cascade Laser) SBFI Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SMA Formgedächtnislegierung (Shape Memory Alloy) SMAR Smart Monitoring, Assessment and Rehabilitation of Civil Structures UH Universitäre Hochschulen WTT Wissens- und Technologietransfer Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 161 8 Anlagen 8.1 Anlage 1: Tabellen zur Erhebungsgrundgesamtheit Tabelle 25: Schweizer Wissenschaftsorganisationen in der Grundgesamtheit ID Organisation Kürzel Sektor 10 Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) ETHZ Universität 11 Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) EPFL Universität 12 Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) WSL Forschungsinstitut 13 Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) Empa Forschungsinstitut 14 Paul Scherrer Institut (PSI) PSI Forschungsinstitut 15 Eidg. Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung & Gewässerschutz (Eawag) Eawag Forschungsinstitut 16 Universität Basel UniBS Universität 17 Universität Bern UniBE Universität 18 Universität St. Gallen UniSG Universität 19 Universität Zürich UZH Universität 20 Université de Fribourg UniFR Universität 21 Université de Genève UniGE Universität 22 Université de Lausanne UniL Universität 23 Université de Neuchâtel UniNE Universität 24 Università della Svizzera Italiana USI Universität 25 Universität Luzern UniLU Universität 26 Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) FHNW Fachhochschule 27 Fachhochschule Ostschweiz (FHO) FHO Fachhochschule 28 Hochschule Luzern (HSL) HSL Fachhochschule 29 Berner Fachhochschule (BFH) BFH Fachhochschule 30 Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) SUPSI Fachhochschule 31 Zürcher Fachhochschule (ZFH) ZFH Fachhochschule 32 Haute école spécialisée de Suisse occidentale (HES-SO) HES-SO Fachhochschule 34 Kalaidos Fachhochschule Kal-FH Fachhochschule 35 Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID) IHEID Forschungsinstitut 36 Istituto Ricerche Solari Locarno (IRSOL) IRSOL Forschungsinstitut 37 Biotechnologie Institut Thurgau (BITg) BITg Forschungsinstitut 38 Institut de Recherche (IDIAP) IDIAP Forschungsinstitut 39 Institute of Oncology Research (IOR) IOR Forschungsinstitut 40 Institut de recherche en ophtalmologie (IRO VS) IRO VS Forschungsinstitut 41 Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF) SPF Forschungsinstitut 42 Swiss Vaccine Research Institute (SVRI) SVRI Forschungsinstitut 43 Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) Swiss TPH Forschungsinstitut 44 Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique (CSEM) CSEM Forschungsinstitut 45 Inspire AG Inspire Forschungsinstitut 46 Universitätsklinik Balgrist Balgrist Universität 47 Swiss Institute for Translational and Entrepreneurial Medicine (sitem-insel AG) Sitem Forschungsinstitut 48 Organisation Européenne pour la Recherche Nucléaire (CERN) CERN Forschungsinstitut 49 Swiss Institute of Bioinformatics (SIB) SIB Forschungsinstitut Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 162 Tabelle 26: In der Grundgesamtheit enthaltene Wissenschaftsgebiete 1. Naturwissenschaften 1.1 Mathematik 1.2 Informatik und Informationswissenschaften 1.3 Physik 1.4 Chemie 1.5 Geowissenschaften und zugehörige (Umwelt-)Wissenschaften 1.6 Biologie 1.7 Andere Naturwissenschaften 2. Ingenieurwissenschaften und Technologie 2.1 Bauingenieurwesen 2.2 Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik 2.3 Maschinenbau 2.4 Chemische Verfahrenstechnik 2.5 Werkstofftechnik 2.6 Medizintechnik 2.7 Umwelttechnik 2.8 Umweltbiotechnologie 2.9 Industrielle Biotechnologie 2.10 Nanotechnologie 2.11 Andere Ingenieurwissenschaften und Technologien 3. Medizinische und Gesundheitswissenschaften 3.1 Grundlagenmedizin 3.2 Klinische Medizin 3.3 Gesundheitswissenschaften 3.4 Medizinische Biotechnologie 3.5 Andere medizinische Wissenschaften 4. Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin 4.1 Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 4.2 Tierzucht sowie Milch- und Molkereiwissenschaft 4.3 Veterinärmedizin 4.4 Agrarbiotechnologie 4.5 Andere Agrarwissenschaften 5. Sozialwissenschaften 5.1 Psychologie und Kognitionswissenschaft 5.2 Volks- und Betriebswirtschaftslehre Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 163 8.2 Anlage 2: Fragebogen für die Wissenschafts-Organisationen Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 164 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 165 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 166 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 167 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 168 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 169 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 170 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 171 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 172 Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 173 8.3 Anlage 3: Ergänzende Tabellen Tabelle 27: Übersicht über Herausforderungen und Lösungen im Fall IRsweep Herausforderung Lösungsbausteine F&E Phase Unternehmensgründung, Technologieentwicklung, Markteinführung Identifikation der für die Technolo- gie geeigneten Anwendungsberei- che und Produktentwicklung Durchführung von F&E-Projekten Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten Durchführung von Technologieentwicklungsprojekten, Trial- and-error Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten Zusammenarbeit mit Firmen Sicherung des geistigen Eigen- tums (IP) Aushandlung von Lizenz- und ähnlichen Verträgen, die die kommerzielle Nutzung des IP gestatten Finanzierung Finanzierung mit internen Mitteln Akquisition von nationalen und internationalen F&E-Projekten Teilnahme an Start-up Programmen und Wettbewerben Eigene Erlöse durch ein früh in den Markt eingeführtes Pro- dukt Partnerschaft mit einem etablierten Schweizer Unternehmen Kundenakquise und Vertrieb Nutzung der Netzwerke der Beteiligten Partnerschaften mit etablierten Unternehmen Vernetzung in der Branche Pho- tonics und im Markt Unterstützung durch Advisory Board Zusammenarbeit mit einer Clusterorganisation Konferenzteilnahmen Aufbau von Management Knowhow Teilnahme an Start-up Programmen und Wettbewerben Learning-by-doing mit dem ersten Produkt Unterstützung durch Advisory Board Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 174 Tabelle 28: Übersicht über Herausforderungen und Lösungen im Fall Memory Steel Herausforderung Lösungsbausteine F&E Phase Kommerzialisierungsphase Markteintrittsphase Technische Herausforderungen Definition der technisch und wirtschaftlich geeigneten Legierung Interdisziplinäre Zusammenarbeit Anstellung eines Experten Herstellung der Legierung Zusammenarbeit mit Hochschule Versuche, Trial-and-error Zusammenarbeit mit Firmen und Hochschu- len Umformung der Legierung Zusammenarbeit mit Hochschule und Firma Versuche, Trial-and-error Zusammenarbeit mit Firmen und Hochschu- len Produktentwicklung Versuche, Trial-and-error Anstellung eines Experten Zusammenarbeit mit Firmen und Hochschu- len Versuche, Trial-and-error Konferenzteilnahme Fixierung der Produkte am Objekt(Beton- konstruktion) Zusammenarbeit mit Firmen Aktivierung der Produkte am Objekt Prozess- und Geräteentwicklung Technische Zulassung Zusammenarbeit mit Firmen und Hoch- schulen Wirtschaftliche Herausforderungen Finanzierung Finanzierung mit internen Mitteln Akquisition von KTI- und SNF-Projekten Akquisition eines Investors Finanzierung mit internen Mitteln Finanzierung mit internen Mitteln Zusammenarbeit mit Firmen Kostenkontrolle Einsatz günstiger Arbeitskräfte (Studierende) Einsatz günstiger Arbeitskräfte (Studie- rende) Nutzung vorhandener Infrastruktur Definition des Geschäftsmodells Definition der Value Proposition (auf Basis der Kernkompetenzen) Entwicklung des Ertragsmodells Schutz des IP Kundenakquise und Vertrieb Nutzung der Netzwerke der Beteiligten Zusammenarbeit mit Firmen Soziale Herausforderungen Partnersuche in der Wissenschaft Nutzung der wissenschaftlichen Netzwerke der Beteiligten Konferenzteilnahmen Partnersuche in Unternehmen Nutzung der Netzwerke der Beteiligten Nutzung der Netzwerke der Beteiligten Suche von Firmen im Ausland Unternehmerische Erfahrung Businessplan, Marktanalysen Nutzung der Netzwerke der Beteiligten Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 175 Tabelle 29: Definition der in den multivariaten Analysen verwendeten unabhängigen Variablen Variable Definition ETH-Sektor Institut des ETH-Sektors FH-Institute Institut einer Fahchochschule Universitäts-Institute Institut einer Universität Naturwissenschaften Institut einen Fachbereich der Naturwissenschaften als Forschungsgebiet an. Ingenieurwissenschaften Institut einen Fachbereich der Ingenieurwissenschaften als Forschungsgebiet an. Medizin- und Agrarwissenschaf- ten Institut einen Fachbereich der Medizin- und Agrarwissenschaften als Forschungsgebiet an. Wirtschafts- und Sozialwissen- schaften Institut einen Fachbereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als Forschungsgebiet an. Grösse in Wiss. (8-13) Institut beschäftigt zwischen 8 und 13 Wissenschaftler Grösse in Wiss. (14-26) Institut beschäftigt zwischen 14 und 26 Wissenschaftler Grösse in Wiss. (27 und mehr) Institut beschäftigt 27 oder mehr Wissenschaftler B&M.-Arbeiten Anzahl der 2015-17 pro Jahr durchschnittlich betreuten Bachelor/Master-Arbeiten Dissertationen Anzahl der 2015-17 pro Jahr durchschnittlich betreuten Dissertationen Mitarbeiter Leitungsperson des Instituts hat im Berufsleben als Mitarbeiter(in) für private Unternehmen gearbeitet Management Leitungsperson des Instituts hat im Berufsleben eine Leitungsfunktion in privaten Unternehmen ausgefüllt Verwaltungsrat / BoD Leitungsperson des Instituts hat im Berufsleben als Verwaltungsrat für private Unternehmen gearbeitet Beratung Leitungsperson des Instituts hat im Berufsleben Scientific Advisor für private Unternehmen gearbeitet Andere Funktion Leitungsperson des Instituts hat im Berufsleben in anderer Funktion für private Unternehmen gearbeitet Keine Erfahrung Leitungsperson des Instituts hat im Berufsleben nicht für private Unternehmen gearbeitet Mission: Anwendungsorientierte Institute mit DL-Auftrag Institut gehört zum Cluster «Anwendungsorientierte Institute mit praktischem Dienstleistungsauftrag» Mission: Grundlagen-Institute mit Ausbildungsauftrag Institut gehört zum Cluster «Grundlageninstitute mit Ausbildungsmission» Mission: Fokus auf aF&E und Beratung Institut gehört zum Cluster «Institute mit Fokus auf aF&E und Beratung» Finanzielle Belohnung Institut/Org. belohnt besondere Leistungen im Wissensaustausch mit persönlicher finanzieller Belohnung Ressourcen Belohnung Institut/Org. belohnt besondere Leistungen im Wissensaustausch mit zusätzlichen Ressourcen (For- schungsmittel, Zeit) Promotions Belohnung Institut/Org. belohnt besondere Leistungen im Wissensaustausch mit der Berücksichtigung bei Karriere- /Promotionsentscheidungen Soziale Belohnung Institut/Org. belohnt besondere Leistungen im Wissensaustausch mit sozialen Belohnungen IP: Wissenschaftler Häufigkeit mit der das Eigentum am Wissen und an Technologien des Instituts an Erfinder abgetreten wird IP: Unternehmen Häufigkeit mit der das Eigentum am Wissen und an Technologien des Instituts an Unternehmen oder NPO abgetreten wird Regeln fördern private Aktivitä- ten in F&E Kommerzialisierung Interne Regeln fördern "private" Aktivitäten in F&E und Kommerzialisierung Regeln fördern Kommerzialisie- rung und Spin-Offs Regeln fördern die Kommerzialisierung der Forschungsergebnisse und Gründung von Spin-offs Regeln fördern Zusammenarbeit mit Unternehmen Regeln fördern die Arbeit in, mit und für private Unternehmen Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 176 Tabelle 30: Schätzresultate der multivariaten Tweedie-Modelle zur Wissenskommerzialisierung Koeffizient / Modell # Patente pro 10 Wiss. # Neue Lizenzen pro 10 Wiss. # Neue Spin-Offs pro 10 Wiss. # Bestehende Spin-Offs pro 10 Wiss. Konstante -0.447 -1.559 (--) -3.121 (---) -2.597 (---) ETH-Sektor -0.295 -0.941 (--) -0.114 -0.630 (-) FH-Institute +0.086 -0.541 -0.448 -0.410 Universitäts-Institute -0.313 -0.448 -0.133 -0.775 (--) Naturwissenschaften -0.168 -0.023 +0.227 +0.288 Ingenieurwissenschaften +1.117 (+++) +1.169 (+++) +1.218 (+++) +0.859 (+++) Medizin- und Agrarwis- senschaften +0.246 +0.174 +0.109 +0.040 Wirtschafts- und Sozial- wissenschaften -1.507 (---) -0.763 (--) +0.106 -0.196 Grösse in Wiss. (8-13) -0.037 -0.333 +0.259 -0.034 Grösse in Wiss. (14-26) -0.333 -0.059 +0.319 +0.049 Grösse in Wiss. (27 und mehr) -0.909 (---) -0.369 -0.099 -0.473 B&M.-Arbeiten -0.024 +0.073 +0.213 (+++) +0.290 (+++) Dissertationen +0.106 (+) +0.225 (++) +0.067 +0.079 Mitarbeiter -0.075 +0.034 -0.186 -0.126 Management +0.188 -0.403 (-) +0.226 -0.158 Verwaltungsrat / BoD -0.085 -0.002 +0.405 (++) +0.654 (+++) Beratung +0.292 (++) +0.208 -0.134 +0.233 Andere Funktion +0.127 +0.474 (++) -0.220 -0.134 Keine Erfahrung +0.103 -0.455 -0.468 (--) -0.308 Mission: Grundlageninsti- tute mit Anwendungsori- entierung +0.207 +0.354 +0.009 +0.699 (++) Mission: Anwendungsori- entierte Institute mit prak- tischem DL-Auftrag -0.159 +0.069 -0.117 -0.019 Mission: Institute mit An- wendungsauftrag mit Fo- kus auf aF&E und Bera- tung -0.175 +0.315 +0.360 +0.492 Finanzielle Belohnung +0.173 +0.675 (+++) +0.055 +0.218 Ressourcen Belohnung -0.071 -0.197 +0.005 +0.159 Promotions Belohnung -0.121 -0.168 -0.242 (-) +0.153 Soziale Belohnung +0.048 +0.078 -0.137 -0.269 (-) IP Wissenschaftler +0.064 -0.012 -0.035 +0.110 IP Unternehmen +0.258 (+) +0.445 (++) +0.188 -0.126 Regeln fördern private Aktivitäten in F&E und Kommerzialisierung +0.108 +0.016 +0.035 +0.208 (++) Regeln fördern Kommer- zialisierung und Spin-Offs +0.108 -0.002 +0.186 (+) +0.170 Regeln fördern Zusam- menarbeit mit Unterneh- men -0.040 -0.005 +0.174 (+) +0.032 PROM_R1 +0.197 (++) +0.159 +0.220 (++) +0.306 (+++) PROM_R2 +0.295 (+++) +0.185 -0.149 +0.051 PROM_R3 -0.204 (---) -0.129 +0.042 -0.393 (---) #Beobachtungen 553 560 564 550 pseudo-R2 0.317 0.147 0.306 0.261 Link-power p 1.33 1.39 1.31 1.36 Lesebeispiel: Der Fachbereich Ingenieurwissenschaften hat einen positiven Einfluss auf die Anzahl Patente pro 10 Wissenschaftler und ist auf dem 1%-Niveau signifikant. +++ / ++ / + bezeichnen Koeffizienten, die auf dem 1%- / 5%- / 10%-Niveau statistisch signifikant sind und die abhängige Variable positiv be- einflussen. Variablendefinitionen in Tabelle 29.jeweils Indikatoren 12–14). Die Kommerzialisierung akademischer Erfindungen und die Bedeu- tung von intermediären Organisationen korrelieren hingegen ebenfalls: die Anzahl Patentanmeldun- gen, neue Lizenzverträge und Spin-offs sind in den Instituten signifikant höher, die angeben, dass die öffentliche Innovationsförderung, Fonds oder Zuschüsse für Kommerzialisierung, Proof-of-Con- cept, Entwicklung etc., WTT-Stellen sowie Innovations- oder Wissenschaftsparks eine grosse oder sehr grosse Bedeutung aufweisen, als bei den Instituten, die angeben, dass IO nur eine mittlere o- der geringe Bedeutung haben (Abbildung 52, Indikatoren 9–11). Allerdings kann mit solchen Quer- schnittsdaten keine Kausalität begründet werden und ob die IO ursächlich zu den höheren Kommer- zialisierungsindikatoren in den Instituten beigetragen haben, kann mit den vorliegenden Daten nicht beantwortet werden. Abbildung 52: Indikatoren für die Kommerzialisierung von akademischen Erfindungen und lehr-ba- siertem Wissensaustausch nach der Bedeutung von IO (logarithmische Skala) Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 127 c) Eigenschaften. Die Institute wurden schliesslich gebeten, je eine als bedeutend und eine als un- bedeutend eingestufte intermediäre Organisation weiter zu beschreiben. Die Beschreibung erfolgte auf einer 7-Punkte Skala und erfasste 7 Eigenschaften: 1) organisatorische Nähe (intern/extern), 2) Beteiligung privater Unternehmen, 3) geographische Nähe, 4) fachliche Nähe, 5) Marktkenntnisse, 6) Flexibilität im Leistungsangebot und 7) Durchführung interessanter Veranstaltungen. Abbildung 53 gibt die Vertrauensintervalle des arithmetischen Mittelwertes für diese Eigenschaften wieder, wobei die blauen Linien für als bedeutend bewertete IO stehen und die roten Linien für als unbedeutend bewertete. Für vier der sieben Eigenschaften überlappen sich die Intervalle nicht und diese stellen damit mit grosser Wahrscheinlichkeit relevante Eigenschaften für die unterschiedlichen Bewertungen der Bedeutung der IO dar: • Bedeutende IO haben eine etwas stärkere interne Verankerung in der Organisation, während unbedeutende etwa gleichgewichtig intern und extern getragen werden. • Ein deutlicher Unterschied besteht hinsichtlich der Fachkompetenz und -spezialisierung: be- deutende IO werden als fachkompetent charakterisiert und weniger bedeutende IO als eher fachübergreifend. • Kenntnis zu Märkten und Kunden ist eine weitere Eigenschaft von intermediären Organisatio- nen, die höhere Bedeutung bei der Unterstützung von Wissensaustausch und der Zusam- menarbeit mit Unternehmen erzielen. Sie steuern damit vermutlich komplementäres Wissen bei, das in den Instituten selbst nicht vorhanden ist. • Nicht zuletzt ist auch die Durchführung von interessanten Veranstaltungen ein wichtiges Leis- tungsmerkmal, das mit zur Bedeutung einer IO beizutragen scheint. Die Beteiligung von privaten Unternehmen, geographische Distanz zum Institut und Flexibilität im Leistungsportfolio erscheinen als nachrangige Merkmale hinsichtlich der Bedeutung von IO für den WTT: im Urteil der Institute bedeutende wie auch unbedeutende IO weisen tendenziell eher keine private Beteiligung auf, sind geographisch in der Nähe und bieten definierte Leistungen an. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 128 Abbildung 53: Eigenschaften als bedeutend und als unbedeutend klassifizierter intermediärer Orga- nisationen (Unter- und Obergrenzen des 95% Konfidenzintervalls des arithmetischen Mittels) Lesehilfe: Das blaue Profil beschreibt IO, die als bedeutend eingestuft wurden, und das rote Profil unbedeutende IO. Bei der ersten Teilfrage, «Ist die IO ein Teil Ihrer Hochschule/Organisation oder eine externe Organisation?», die wie alle Teilfragen auf einer Rangskala von 1–7 beantwortet werden konnte, beträgt der Mittelwert für bedeutende IO 2,95 und für unbedeutende 3,5. Anstelle dieser Punktschätzer werden hier die 95%-Vertrauensintervalle dargestellt: für bedeutende IO [2,74; 3,16] und für unbedeutende IO [3,21; 3,79]. Da sich diese Intervalle nicht überlappen, ist die Aussage zulässig, dass bedeutende IO signifikant häufiger aus Sicht der Institute Teile der eigenen Hochschule/Or- ganisation sind als unbedeutende IO. Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). 4.2.5 Entscheidungsfaktoren Motivation und Ziele für den Wissensaustausch Frühere Studien unterschieden zwischen a) finanziellen Motiven für den Wissensaustausch (Items 1 und 2 in Abbildung 54), b) wissens- und anwendungsbezogenen Motiven (Items 3–6, 12), c) Qualifi- kations- und Reputationsmotiven (Items 7–11) und d) kostenseitigen Motiven (Item 13). Die Stär- kung der Forschung (12), zusätzliche Forschungsmittel (1) und die Lösung praktischer Probleme (6) werden von mehr als der Hälfte aller Institute als bedeutend oder sehr bedeutend beurteilt, wohinge- gen der Zugang zu firmeneigener Ausrüstung und Fähigkeiten (13), die Förderung der regionalen Entwicklung (9) und die Kooperation zur Einwerbung öffentlicher Mittel (2) mehrheitlich als unbedeu- tend oder wenig bedeutend eingestuft werden. Damit erscheinen unter den Schweizer Instituten wis- sens- und anwendungsbezogene Motive für den Wissensaustausch am stärksten ausgeprägt. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 129 Abbildung 54: Bedeutung von Motiven und Zielen für den Wissensaustausch 2015–17 Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Vergleicht man die Motive zwischen den verschiedenen Organisationstypen, Institutsgrössen und Fachgebieten, so ergeben sich zwar einige Variationen in der Reihenfolge der Motive nach ihrer Be- deutung, aber das auffallendste Ergebnis ist: Fachhochschulinstitute, grössere Institute und Ingeni- eurinstitute haben eine deutlich stärkere Motivation zum Wissensaustausch als ihre jeweiligen Ver- gleichsgruppen. Dies lässt sich auch gut in der nachfolgenden Abbildung erkennen. Sie stellt einen Motivationsindex dar, der die durchschnittliche Bedeutung aller Motivationen für den Wissensaus- tausch auf einer Skala von 1 (sehr geringe oder keine Bedeutung) bis 5 (sehr grosse Bedeutung) misst. Die Bedeutung von Belohnungen finanzieller Natur und mittels zusätzlichen Ressourcen wird auch in der multivariaten Analyse unter Abschnitt 4.3 bestätigt. Dies gilt auch für die Übertragung von geistigem Eigentum an die beteiligten Wissenschaftler und Unternehmen, sowie für die wahrge- nommene Flexibilität von bestehenden Regeln unter Abschnitt 4.2.3. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 130 Abbildung 55: Bedeutung von Motivation und Zielen für den Wissensaustausch nach Organisations- typen, Grösse in Beschäftigten, Grösse in Wissenschaftlern und Fachgebiet (1=sehr geringe oder keine Bedeutung, 5=sehr grosse Bedeutung) Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Hemmnisse gegen den Wissensaustausch Hemmnisse oder Barrieren gegen den Wissensaustausch können in Wissenschaftsorganisationen gemäss der Literatur aus a) Informationslücken und fehlendem Support (Items 1–3 und 12 in Abbil- dung 56), b) Konflikten mit anderen Aufgaben in Lehre und Forschung (Items 5, 8–10, 13), c) den bearbeiteten Forschungsthemen (Item 4), d) den Eigenschaften der Unternehmen (Items 7 und 11) und e) fehlender Finanzierung (Item 6) entstehen. Die grösste Bedeutung wird in unserer Befragung der zu hohen Belastung durch den Unterricht und andere Aufgaben zugewiesen, welche von fast der Hälfte aller Institute grosse oder sehr grosse Bedeutung erhält. An zweiter Stelle werden von rund 40% der Unternehmen fehlende Ressourcen in Unternehmen und Finanzierungsschwierigkeiten all- gemein als bedeutende Hemmnisse genannt. Alle anderen Hemmnisse haben verhältnismässig ge- ringere Bedeutung. Wissens- und Technologietransferder Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 131 Abbildung 56: Bedeutung von Hemmnissen und Barrieren gegen den Wissensaustausch Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Auch hier sind hinsichtlich der Muster wiederum nur geringe Unterschiede nach Organisationstypen, Institutsgrössen und Fachgebieten feststellbar. Deutlich wird allerdings, dass FH-Institute deutlich weniger als andere Institute auf Konflikte mit der Grundlagenforschung oder zu hohe Anforderungen der Unternehmen an das geistige Eigentum und dessen Geheimhaltung verweisen, dafür aber der Unterrichtsbelastung und Finanzierungsproblemen einen noch höheren Stellenwert geben (Abbil- dung 57). Weiterhin verweisen ingenieurwissenschaftliche Institute noch häufiger als andere Institute auf eine hohe Unterrichtsbelastung und zu wenige Ressourcen in Unternehmen, während naturwis- senschaftliche Institute Konflikten mit der Grundlagenforschung und mangelndem Interesse der Un- ternehmen an den Themen auch einen gewissen Stellenwert geben. Ein Hemmnisindex, der analog zum oben dargestellten Motivindex gebildet wurde, zeigt keine signifikanten Unterschiede in der Stärke der wahrgenommenen Hemmnisse nach Organisationstypen, Institutsgrössen oder Fachge- bieten und wird deshalb nicht dargestellt. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 132 Abbildung 57: Anteil der Hemmnisse und Barrieren gegen den Wissensaustausch mit grosser Be- deutung nach Organisationstyp und Fachgebiet Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). 4.3 Multivariate Analysen 4.3.1 Vorgehensweise Ziel dieses Abschnittes ist es, die vorangehenden Zusammenhänge und Aspekte des Wissens- und Technologietransfers der Schweizer Forschungseinheiten in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Un- ternehmen zu quantifizieren und in Form einer multivariaten Analyse abzusichern. Eine multivariate Analyse kann jedoch nicht alle unter Kapitel 4.2 beleuchteten Aspekte wiederge- ben. Es wird versucht, für die beschriebenen Indikatoren zur Kommerzialisierung und Lehre, sowie die Indizes zur Bedeutung lehrbasierter, forschungsbasierter und informeller Transferkanäle Model- lierungen zu finden, welche möglichst einheitlich sind und ein Bild der zentralen Einflussgrössen zeichnen können, wenn gleichzeitig für unterschiedliche Aspekte wie Grösse der Forschungseinheit, Hochschulsektor oder Wissenschaftsdisziplin kontrolliert wird. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 133 Kurzbeschreibung der abhängigen Variablen Wie unter 4.2 beschrieben, wurden die Leistungen der Forschungseinheiten im Bereich des Wis- sensaustauschs anhand von 4 Transferarten gemessen. 1) Wissenskommerzialisierung 2) lehrbasierter Wissensaustausch 3) forschungsbasierter Wissensaustausch 4) informeller Wissensaustausch Die Wissensvermarktung (Kommerzialisierung) wird in der Analyse durch Patentanmeldungen, Li- zenzverträge und neue sowie bestehende Spin-Offs gemessen. Lehrbasierte Massnahmen zum Wissensaustausch umfassen die Anzahl der Abschlussarbeiten auf Bachelor- und Masterebene mit Unternehmen sowie die Anzahl der mit Unternehmen erstellten Dissertationen. Zusätzlich wurde nach der Anzahl der betreuten Abschlussarbeiten in Weiterbildungsprogrammen gefragt. Weiterhin wurde ein Index gebildet, welcher die Bewertung der allgemeinen Bedeutung des lehrbezogenen Wissensaustauschs aus Sicht der Leitungsperson einer Forschungseinheit wiedergibt. Auch die Be- teiligungen am forschungsbezogenen und informellen Wissensaustausch wurden anhand von Indi- zes bewertet. Eine genauere Beschreibung dieser Indizes findet sich eingangs des Kapitels 4.2.2. Zur Übersicht sind untenstehend nochmals deskriptive Statistiken der abhängigen Variablen aus den 4 Transferarten in Tabelle 23 beschrieben. Tabelle 23: Deskriptive Statistik der abhängigen Variablen in den multivariaten Analysen zum Wis- sensaustausch Arith. Mittel 5% getrimmtes Mittel %Werte >0 Anzahl gültige Werte Wissenskommerzialisierung Patentanmeldungen pro 10 Wissenschaftler 0.54 0.34 32.80% 874 Neue Lizenzverträge pro 10 Wissenschaftler 0.24 0.11 20.90% 885 Neue Spin-offs/Start-ups pro 10 Wissenschaftler 0.20 0.10 22.70% 887 Bestehende aktive Spin-offs/Start-ups pro 10 Wissenschaftler 0.26 0.12 21.60% 858 Lehrbasierter Wissensaustausch Bachelor- und Masterarbeiten mit Unternehmen pro 10 Wiss. 1.90 0.99 44.80% 873 Dissertationen mit Unternehmen pro 10 Wissenschaftler 0.19 0.09 21.20% 884 Weiterbildungsabschlüsse auf Masterebene pro 10 Wissenschaftler 1.14 0.43 27.10% 870 Lehr-Index 2.31 2.28 100% 727 Forschungsbasierter und informeller Wissensaustausch Forschungsindex 2.73 2.72 100% 727 Informeller Index 2.90 2.91 100% 728 Im Verlauf der Analysen wurden obige abhängige Variablen anhand einer Vielzahl von möglichen Kombinationen von unabhängigen Variablen modelliert. Kurzbeschreibung der verwendeten unabhängigen Variablen Wie eingangs erwähnt besteht der Fokus darauf, für alle abhängige Variablen ein möglichst einheitli- ches Modell zu finden, das den Einfluss institutsinterner Faktoren, wie Ressourcen, Kompetenzen, Organisationskultur, und externer Faktoren, wie Fachgebiet und Unterstützung durch intermediäre Organisationen, auf die Nutzung der Mechanismen des Wissensaustauschs schätzt. Ziel ist auch, Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 134 die operationalisierten Leistungen im Wissensaustausch mit Variablen zur Messung der Kultur der Forschungseinheit zu erklären. Als erklärende Variablen fanden daher folgende Eingang in die Mo- dellierung: Die Organisationskultur der Forschungseinheit wird durch die (1) Mission wie unter Abschnitt 4.2.3 beschrieben operationalisiert, durch (2) Belohnungen für herausragende Leistungen im Wissensaus- tausch und durch (3) die Flexibilität bzw. Wahrnehmung von internen Regelungen betreffend des Wissensaustauschs. Belohnungen für besondere Leistungen im Wissensaustausch werden durch persönliche finanzielle Zahlungen, zusätzliche Ressourcen für die Forschung, Berücksichtigung der Transferleistungen in Promotions-Entscheidungen und soziale Belohnungen gemessen. Die Flexibi- lität von internen Regeln zum WTT wird durch die unter Abschnitt 4.2.3 genannten IP-Regelungen erfasst: wenn geistiges Eigentum auch an die Wissenschaftler und Erfinder des Instituts resp. an Unternehmen und/oder Non-Profit-Organisationen übertragen wird, dann wird von einer grösseren Flexibilität im Umgang mit dem IP in der Organisation ausgegangen. Die Wahrnehmung von Rege- lungen zur Arbeit in, mit und für Unternehmen, zur Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen und zur Durchführung von «privaten» Projekten wurde anhand von sechs 7-Punkte-Fragen bewertet (siehe Abbildung 39). Die Daten wurden dann einer Hauptkomponentenanalyse unterzogen, welche drei Komponenten extrahierte: 1) Verordnungen fördern "private" Aktivitäten in Forschung, Entwick- lung und Vermarktung, 2) Verordnungen fördern die Kommerzialisierung von Forschungsergebnis- sen und die Gründung von Spin-offs, und 3) Verordnungen fördern die Arbeit in, mit und für private Unternehmen. Zusätzlich zur Organisationskultur des Instituts wird auch die Mission der Hochschule mit der Zuge- hörigkeit zum relevanten Hochschulsektor (ETH, Universitäten, Fachhochschulen und ausseruniver- sitäre Institute) approximiert. Diese Organisationen haben unterschiedliche Rollen im schweizeri- schen Innovations- und Forschungssystem. Die für den WTT verfügbaren Ressourcen der Forschungseinheiten wurden durch zwei Variable operationalisiert: die Grösse der Forschungseinheit gemessen an der Anzahl der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen approximiert den Umfang der Arbeitszeit und des Forschungsoutputs, die für allfällige Transferprojekte zur Verfügung stehen. Die Beanspruchung mit zum Wissenstransfer konkurrierenden Aufgabender Einheiten wird mit einem Fokus auf die Lehre und den durchschnittli- chen pro Jahr betreuten Bachelor- und Masterarbeiten und Dissertationen erhoben. Als letzter inter- ner Aspekt wurde zusätzlich auch die Berufserfahrung der Leitungsperson in privaten Unternehmen erfragt, differenziert nach verschiedenen Funktionen (z.B. Mitarbeiter, Leitungsfunktion, Verwal- tungsrat, Mitglied in Scientific Advisory Board). Diese Variable erlaubt Rückschlüsse auf die kogni- tive Distanz und Ressourcen der Leitungspersonen für den Wissensaustausch. Nicht zuletzt wurde die wissenschaftliche Disziplin der Einheiten einbezogen, differenziert nach 4 Gruppen von Disziplinen. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 135 Mit Ausnahme der Anzahl der betreuten Abschluss- und Promotionsarbeiten als Proxy zu konkurrie- renden Aufgabenportfolios sind alle erklärenden Variablen Faktor-Variablen und die Stärke deren Einfluss kann somit direkt aus der Grösse der Koeffizienten der Modelle abgelesen werden. Die Bedeutung der intermediären Organisationen für den Wissensaustausch der Institute wurde ei- nerseits direkt über entsprechende Kontrollvariable zur Einschätzung der Institute zur Bedeutung der öffentlichen Innovationsförderung, der Fonds oder Zuschüsse für Kommerzialisierung und den sechs anderen Organisationsarten in den Modellen berücksichtigt. Dabei hat sich ein starker und breiter Effekt nur für die öffentliche Innovationsförderung gezeigt (nicht dargestellt). Ein Problem bei der Modellierung mit der direkten Aufnahme der Kontrollvariablen ist, wie in Abbildung 49 dargestellt, die relativ kleine Anzahl an Instituten, welche die intermediären Organisation in die Kategorien mittlere bis sehr hohe Bedeutung einstufen. Aus diesem Grund hat eine Faktorenanalyse diese acht Arten von intermediären Organisationen auf drei Faktoren oder Einflussdimensionen reduziert. Dabei wurde eine nicht-orthogonale Rotationsme- thode verwendet (Promax) und in der Folge drei Dimensionen extrahiert: − Dimension 1 umfasst dabei Organisationen zur Unterstützung von Spin-offs und IP-basierten Transfers (PROM_R1). − Dimension 2 gruppiert die Organisationen, die Unterstützung von Hochschul-Industriekoope- rationen bieten zusammen, unabhängig ob dies in finanzieller oder anderer Form (Vernet- zung) geschieht (PROM_R2). − Dimension 3 beschreibt den schwerer fassbaren Effekt internet-basierter Information und Vernetzung (PROM_R3). Untenstehende Abbildung 58 zeigt, wie die von den Wissenschaftsinstituten wahrgenommene Be- deutung der intermediären Organisationen auf die drei erwähnten Dimensionen lädt. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 136 Abbildung 58: Resultate der Promax-Faktorenanalyse Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Das KMO-Mass der Analyse ist mit 0.79 hoch und die Daten eignen sich daher gut für eine Haupt- komponentenanalyse. Die drei extrahierten Faktoren erklären 63% der Variation in der wahrgenom- menen Bedeutung der acht intermediären Organisationen. Zusätzlich gibt es von den 24 Faktorla- dungen (8 Organisationen mal 3 extrahierte Faktoren) nur 2, welche Crossloadings über 0.3 darstel- len (0.34 und 0.31) – alle anderen Crossloadings sind nicht signifikant und die relevanten Ladungen sind wie erwähnt in Abbildung 58 dargestellt. Analyse-Methodik Fast alle verwendeten Variablen weisen wichtige Barrieren für die Anwendung von klassischen Re- gressionsmodellen auf. Diese Modelle setzen eine Normalverteilung der Variablen voraus. Für eine Übersicht zeigt Abbildung 59 die Verteilung der abhängigen Variablen in Form von Histogrammen. Diese Verteilungsannahme ist für alle abgebildeten Verteilungen nicht gegeben. Die Variablen wei- sen eine starke Schiefe auf – normalerweise kann dieses Problem durch Logarithmieren behoben / vermindert werden. In der hier gezeigten Situation werden aber die stark dominierenden Null-Ein- träge ignoriert – dies wäre insofern Problem, als dass die Information «keine Patentanmeldungen pro 10 Wissenschaftler» auch gültige Werte darstellen und eben nicht ignoriert werden sollen. Da die Schiefe jedoch schon durch Normalisierung mit der Grössenklasse hinsichtlich wissenschaftli- chen Mitarbeitenden reduziert wurde, stellen die abgebildeten abhängigen Variablen kontinuierliche Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 137 Messgrössen dar. Dadurch kann die abhängige Variable nicht mehr mittels – in gängigen Software- Paketen implementierten – Poisson-Regression geschätzt werden, da diese Modelle von der An- nahme einer diskreten resp. ganzzahligen abhängigen Variable ausgehen. Ausserdem nimmt diese Modellierung an, dass die Streuung resp. Varianz proportional zum Mittelwert ist – auch dies ist im vorliegenden Fall nicht gegeben, die Variablen zeigen eine überproportionale Streeung (over-disper- sion) auf. Vom ökonometrischen Aspekt her wird somit ein Modell verlangt, welches • nicht-normale Verteilungen berücksichtigt, • positive Schiefen trotz Normalisierung korrekt abbildet und kontinuierliche Werte erlaubt, • mit häufigen oder sehr häufigen Null-Werten korrekt umgeht («zero-inflation») und • überproportionale Varianz berücksichtigt («over-dispersion»). Die vier genannten Probleme treten zusammen nicht häufig auf – zur Lösung wird daher ein Modell herangezogen, welches in der empirischen Forschung eher selten angewandt wird – die sogenannte Modell-Familie der «tweedie-Verteilungen». Tweedie-Modelle decken die obig erwähnten vier Stich- worte ab. Abbildung 59: Häufigkeitsverteilungen der abhängigen Variablen der multivariaten Analysen Quelle: FHNW-Wissenschaftserhebung (2018). Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 138 Insbesondere erlauben diese Modelle eine konkrete Anpassung der Verteilungsform, als dass die Varianz nicht linear (wie bei den Poisson-Modellen) sondern eine exponentielle Funktion des Erwar- tungswertes (Mittelwertes) darstellt: 𝑉𝑉𝑉𝑉𝑉𝑉(𝜇𝜇) = 𝜇𝜇𝑝𝑝, wobei der Parameter 𝑝𝑝 geschätzt wird. Dabei wer- den gemäss folgende Verteilungsformen unterstützt: • 𝑝𝑝 = 0: Klassische Normalverteilung • 𝑝𝑝 = 1: Poisson-Verteilung • 1Farben spiegeln statistisch stark signifikante Ein- flüsse wider (signifikant auf dem 1% oder 5%-Niveau), hellere Farben stellen schwach signifikante Einflüsse dar (signifikant auf dem 10%-Niveau). Graue Balken zeigen Einflüsse, die als nicht signifi- kant ausgewiesen werden. Tabelle 30 (S. 176) im Anhang weist zusätzlich die in der Abbildung dar- gestellten Koeffizienten der multivariaten Analysen im Bereich der Wissenskommerzialisierung aus. In der gleichen Darstellungsform fasst Abbildung 61 (Tabelle 31 im Anhang mit den geschätzten Ko- effizienten) die Resultate zum lehrbasierten Wissensaustausch zusammen und Abbildung 62 (Ta- belle 32 im Anhang) zeigt die Resultate in Bezug auf die gebildeten Indizes zur Wichtigkeit von lehr- basierten, forschungsbasierten und informellen Transfermechanismen. In der Folge werden die wichtigsten Resultate zusammengefasst. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 139 Aspekte der Organisationskultur Mission der Institute: Die Referenzgruppe bilden die «Grundlageninstitute mit Ausbildungsmission», die in den bivariaten Analysen bei einer Reihe von Indikatoren von allen Institutstypen die geringste Aktivität im Wissensaustausch aufwiesen (vgl. Abbildung 38, S. 115). Für «Grundlageninstitute mit Anwendungsorientierung» sehen wir Unterschiede zur Referenzgruppe für die Anzahl von Spin-offs und Weiterbildungsabschlüsse, wo sie jeweils besser abschneiden als die Referenzgruppe. Die «An- wendungsorientierten Institute mit Dienstleistungsauftrag» haben signifikant weniger Dissertationen mit Unternehmen als die Referenzgruppe und sie bewerten auch die F&E-basierten Formen des Wissensaustauschs (Mittelwert der Bedeutung forschungsbasierter Transferkanäle) etwas niedriger. «Institute mit Anwendungsauftrag in F&E und Beratung», die in den bivariaten Analysen in der Regel als die am stärksten in den Wissensaustausch involvierten Institute erscheinen (vgl. Abbildung 38, S. 115) haben dagegen bei keiner der abhängigen Variablen einen signifikanten Einfluss. Weitere Analysen (hier nicht abgebildet) machten allerdings deutlich, dass zwischen der Beurteilung der Be- deutung intermediärer Organisationen (Faktoren PROM_R1-3, siehe unten) und der Mission Interak- tionseffekte bestehen. Die stärkere Bedeutung der Transfermission bei den «Instituten mit Anwen- dungsauftrag in F&E und Beratung» spiegelt sich auch darin wider, dass sie intermediäre Organisa- tionen stärker in Anspruch nehmen, als die meisten der anderen Institutstypen. Wir verwendeten den Organisationstyp / Hochschulsektor, um für die Kultur in der gesamten Organi- sation zu approximieren. Wir sehen zusätzliche Effekte für diese Variablen, die darauf hinweisen, dass sich kulturelle Effekte auf Organisations- und Institutsebene überschneiden. Die Institute der Eidgenössischen Technischen Hochschulen, der Universitäten und der Fachhochschulen werden mit der Referenzgruppe der ausseruniversitären Institute verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass jede Art von Instituten eine spezifische Kombination von Mechanismen des Wissensaustauschs hat: ETH-Institute sind stark in «Bachelor- und Masterarbeiten mit Unternehmen pro 10 Wissenschaftler» und bewerten die informellen Transferkanäle als weniger bedeutend. Universitäts- und Fachhoch- schulinstitute weisen tendenziell eine niedrigere Anzahl «Bestehende Spin-Offs pro 10 Wissen- schaftler» aus als die Referenzgruppe (ausseruniversitäre Institute). Fachhochschulinstitute sind je- doch stark bei «Bachelor- und Masterarbeiten mit Unternehmen», «Weiterbildungsabschlüssen pro 10 Wissenschaftlern» und der Bedeutung lehrbasierter und forschungsbasierter Transferkanäle all- gemein. Hinsichtlich Belohnungen für herausragende Leistungen im Wissensaustausch scheinen zwei der vier in der Befragung erhobenen Belohnungskonstrukte wenig zu zählen: Ressourcenorientierte Be- lohnungen, wie zusätzliche Mittel oder Zeit für die Forschung, scheinen keine Rolle zu spielen, und soziale Belohnungen, einschliesslich Anerkennung oder PR für Erfolgsgeschichten, sind nur für in- formelle Mechanismen des Wissensaustauschs von Bedeutung. Die stärksten Auswirkungen von finanziellen Belohnungen identifizieren wir für Zahl der Patentanmeldungen, Lizenzverträge, Ba- chelor- und Masterarbeiten mit Unternehmen und für die Bedeutung forschungsbezogener Transfer- mechanismen. Der Zusammenhang mit der Anzahl von Abschlussarbeiten mit Unternehmen mag Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 140 auf den ersten Blick überraschend sein, insofern als Belohnungen etwa für gut dotierte Industriekon- trakte oder Erfolge bei Lizenzverträgen vergeben werden und i.d.R. nicht für studentische Arbeiten mit externen Partnern. Unseres Erachtens ist der positive Koeffizient damit zu erklären, dass zwi- schen den Transfermechanismen Querbeziehungen bestehen und etwa Lizenzverträge oder finan- zierte Forschungsprojekte mit Unternehmen häufig auch zusätzliche Arbeiten für Studierende nach sich ziehen, in denen dann Nebenaspekte untersucht werden. Auch die durchschnittliche Bedeutung informeller Transferkanäle ist deutlich höher, wenn Wissenschaftler für Transfererfolge Anspruch auf finanzielle Belohnungen haben. Belohnungen in Form von Beförderungen beziehen sich insbeson- dere auf lehr- und forschungsbasierte Mechanismen des Wissensaustauschs. Bezüglich Flexibilität und Wahrnehmung von Regelungen steht vor allem die Häufigkeit des Trans- fers von geistigem Eigentum an Wissenschaftler («IP Wissenschaftler») oder an Unternehmen («IP Unternehmen») positiv mit dem Wissensaustausch über F&E in Zusammenhang. Wir stellen auch fest, dass Patentanmeldungen und Anzahl Lizenzverträge höher sind und mehr Dissertationen in Zusammenarbeit mit Unternehmen geschrieben wurden in Instituten, die ihr IP häufiger an Unter- nehmen übertragen haben. Die Wahrnehmung von Regeln zur Zusammenarbeit mit Unternehmen hat einen starken Bezug zum Wissensaustausch: insbesondere haben lehrbasierte und forschungs- basierte Transfermechanismen eine grössere Bedeutung, wenn die Regeln als förderlich empfunden werden. Auch zur Anzahl der Dissertationen in Zusammenarbeit mit Unternehmen und der Grün- dung von Spin-offs besteht eine positive Korrelation. Die Wahrnehmung von Vorschriften über die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen und die Schaffung von Spin-offs korreliert positiv mit der Spin-Offs. Ob private Projekte gefördert oder zugelassen werden oder nicht, weist einen po- sitiven Zusammenhang mit dem Index für forschungsbasierten Wissensaustausch auf. Ressourcen und Kompetenzen Die Bedeutung der verfügbaren Ressourcen und Kompetenzen für den Wissensaustausch wurde anhand 1) der Institutsgrösse (in Wissenschaftlern), 2) der Anzahl Abschlussarbeiten und Disserta- tion zur Erfassung der Lehrdeputate und 3) den Industrieerfahrungen der Leitungsperson abgebildet. Die Institutsgrösse spielt nur bei «Dissertationen mit Unternehmen» eine Rolle, welche in den kleins- ten Instituten mit weniger als 8 Wissenschaftlern (der Referenzgruppe) am seltensten sind. Patent- anmeldungen treten weiterhin in den grössten Instituten am seltensten auf, was aber möglicher- weise ein Artefakt der Grösse ist: je grösser ein Institut, desto geringer dürfte die Wahrscheinlichkeit sein, dass der Leitungsperson tatsächlich alle Patentanmeldungen bekannt sind. Wir sehen keinen generellen Trade-off zwischen einem hohen Lehrdeputat und dem Wissensaustausch. Dass der lehr-basierte Wissensaustausch mit den Zahlen der Abschluss- und Doktorarbeiten korreliert (Abbil- dung 61), ist nicht weiter überraschend, da diese Transferform natürlich auf Studierende angewie- sen ist. Aber Institute mit vielen Bachelor- und Masterarbeiten haben auch eine höhere Zahl an Spin-offs und Start-ups und Institute mit vielen betreuten Dissertationen mehr Patentanmeldungen Wissens- und Technologietransferder Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 141 und Lizenzverträge. Es sind nicht unbedingt die gleichen Mechanismen, die hier zum Ausdruck kom- men. Während Start-ups vielfach von Studierenden gegründet werden und der Zusammenhang da- mit auf der Hand liegt, sind Doktoranden mit ihrer Forschung offensichtlich oft eine Basis für paten- tierbare und kommerzialisierbare Erfindungen. Intermediäre Organisationen Die Bedeutung der intermediären Organisationen für den Wissensaustausch der Institute wurde ei- nerseits direkt über entsprechende Kontrollvariable zur Einschätzung der Institute zur Bedeutung der öffentlichen Innovationsförderung, der Fonds oder Zuschüsse für Kommerzialisierung, Proof-of-Con- cept, Entwicklung etc., WTT-Stellen, Innovations- oder Wissenschaftsparks, Inkubatoren und Grün- derzentren, kooperativen Forschungsinstitute und Kompetenzzentren, thematischen Netzwerke und Clusterorganisationen und internet-basierten Angebote erfasst. Verwendet werden aber wie im Ab- schnitt zur Beschreibung der verwendeten unabhängigen Variablen erwähnt die extrahierten drei Faktoren. Die Analyse findet einen positiven Zusammenhang der Bedeutung der Spin-off und IP-basierten Transferunterstützung (PROM_R1), wie fast zu erwarten, bei Patenten und Spin-offs, zusätzlich aber auch bei der Bedeutung lehrbasierter, forschungsbasierter und informeller Transferkanäle. Die Bedeutung der Organisationen, die Hochschul-Industriekooperationen unterstützen (PROM_R2), ist ebenfalls umso höher, je höher die Anzahl der Patentanmeldungen. Daneben sind auch die Koeffi- zienten für die Bedeutung forschungsbasierter Transferkanäle und informeller Transferkanäle posi- tiv. Die Internet-basierte Information und Vernetzung (PROM_R3) korreliert negativ mit den Patent- anmeldungen und Spin-off Zahlen, wofür es ad hoc keine plausible Erklärung gibt ausser dass es auch nicht zu erwarten wäre, dass solche Quellen hierfür besonders zum Einsatz kommen. Kontrollvariable Wichtig ist auch die Zugehörigkeit zum Fachbereich: In Ingenieurinstituten sind alle Transfermecha- nismen deutlich häufiger und wichtiger, mit Ausnahme von Weiterbildungskursen für Fachleute. Für sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Institute spielen wie zu erwarten Patentanmeldungen und Lizenzverträge eine vernachlässigbare Rolle. Weiterbildung ist der Schlüsselmechanismus des Wis- sensaustauschs für die Sozialwissenschaften (in dieser Studie nur Psychologie, Kognitionswissen- schaften, Wirtschaft & Management). Für naturwissenschaftliche Institute sind Spin-offs ein wichtiger Mechanismus zur Kommerzialisierung von Wissen, während medizinische Institute stärker mittels Patentierung und Lizenzierung (vermutlich an bestehende Unternehmen) Wissen transferieren – nach Einbeziehung der Variablen für die intermediären Organisationen wurden diese Zusammen- hänge allerdings jeweils insignifikant auf dem Niveau 0.1. Nicht zuletzt zeigt der Einbezug der Be- rufserfahrung des Institutsleiters in Privatunternehmen in der Regel keinen Einfluss, sondern nur, wenn die Position im Management, durch die Mitarbeit in einem Aufsichtsrat (BoD) oder als Berater charakterisiert war. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 142 Abbildung 60: Schätzresultate der multivariaten Tweedie-Modelle zum Leistungsbereich der Wissenskommerzialisierung Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 143 Abbildung 61: Schätzresultate der multivariaten Tweedie-Modelle zum Leistungsbereich des lehrbasierten Wissensaustausch Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 144 Abbildung 62: Schätzresultate der multivariaten Tweedie-Modelle auf die Leistungsbereiche des lehrbasierten, forschungsbasierten und informellen Wissensaustauschs anhand der Indizes Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 145 5 Fazit und Schlussfolgerungen Literatursynthese Die Literatursynthese hat einen Rahmen für die vorliegende Arbeit vorgegeben. Im Ergebnis er- scheint der Wissensaustausch zwischen Wissenschaftsorganisationen und privaten Unternehmen als ein Multi-Ebenen-Phänomen, das sowohl von den Merkmalen und Interessen der beteiligten Ein- zelpersonen beeinflusst wird, als auch von den internen Eigenschaften der Organisationen, den in ihrem Umfeld tätigen intermediären Organisationen (IO) und nicht zuletzt dem weiteren institutionel- len und ökonomischen Kontext sowie dem Fachkontext. Diese Ausgangsbedingungen determinieren die Motivationen für und wahrgenommenen Hemmnisse gegen den Wissensaustausch, ob sich eine Wissenschaftseinrichtung im Wissensaustausch engagiert, wie intensiv und in welcher Form sie dies tut und welche Ergebnisse sie letztlich dabei erzielt. Fallstudien zu Transferprojekten Die fünf untersuchten Fallstudien haben die Auslöser und daran anknüpfenden Abläufe von Projek- ten des Wissensaustauschs, die für den Erfolg zu bewältigenden Herausforderungen und die Kom- plementarität von Transfermechanismen und Kanälen exemplarisch dargestellt. Zwei Typen von Projekten wurden dabei deutlich: Problemorientierte Projekte entstanden als Reaktion auf ein prakti- sches Problem, das wissenschaftliche F&E zu seiner Lösung brauchte. Chancenorientierte Projekte hatten demgegenüber eine wissenschaftliche Erfindung als Basis, die in der Grundlagenforschung der Forschungsinstitute entstanden war und im Sinne eines Technology Push kommerzialisiert wurde. Die daraus entstehenden Innovationen, zentralen Projektaktivitäten, Laufzeiten und Finanzie- rungslösungen unterscheiden sich zwischen diesen beiden Projekttypen. Die vorliegende Analyse enthält keine detaillierte Diskussion der Innovationsförderung, Bestandsauf- nahme zu den Inputs und mit der Förderung erzielten Outputs, Outcomes oder Impacts im Sinne ei- ner Wirkungsanalyse. Solche Analysen wurden von unabhängigen Evaluatoren im Auftrag der Inno- suisse erstellt und publiziert (Kägi, Oswald, Suri, Kaufmann, & Nindl, 2019; Kaiser, Odermatt, Bade, Haering, & Koch, 2019; Schwenkel, Ramsden, & Duarte, 2019; Stokar et al., 2019). Gleichwohl las- sen sich aber aus den beiden identifizierten Projekttypen einzelne Hinweise ableiten, die auch die Innovationspolitik und -förderung prüfen und allenfalls durch weitere Analysen präzisieren sollte. Problemorientierte Projekte haben ein praktisches Problem als Auslöser, das wissenschaftliche For- schung und Entwicklung und damit den Beitrag wissenschaftlicher Organisationen zur Lösung braucht. Die bestehende Innosuisse-Projektförderung bildet die geeignete Finanzierungsform sol- cher Projekte, insofern als sie den Unternehmen auch eine Eigenleistung abverlangt, welche sicher- stellen soll, dass nur relevante Projekte gefördert werden. WTT- und Netzwerkförderung und Clus- terorganisationen unterstützen das Match-Making und die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Der gesellschaftliche Nutzen entsteht aus der Problemlösung und den kosten- oder er- Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 146 tragsseitigen Auswirkungen auf die geförderten Unternehmen. Daneben kann auch ein Bildungsnut- zen entstehen, wenn etwa zusätzlich zu den geförderten Projekten Studierende Projekt- und Ab- schlussarbeiten im Umfeld der Projekte schreiben. Gleichwohl geht es bei Innosuisse-Projekten nicht um eine Finanzierung der Schweizer F&E-Organi- sationen, sondern die Förderung von Innovationen. Die Identifikation und Definition eines Problems, bei dem es zur Lösungsfindung die Unterstützung einer F&E-Organisation braucht, ist die primäre Aufgabe eines Unternehmens oder Umsetzungspartners in Innosuisse-Projekten. Von diesen muss deshalb die Initiative ausgehen und müssen die Projekteingaben initialisiert werden. In beiden Projekttypen haben die Beteiligten in verschiedenen Stadien zusätzlichzur Unterstützung durch Schweizer F&E-Organisationen auf weitere Unterstützung bei ausländischen Organisationen zurückgegriffen. Die zunehmende Spezialisierung im Forschungsbereich bringt es mit sich, dass das Schweizer F&I-System nicht mehr grundsätzlich alle gesuchten Kompetenzen und Infrastrukturen bereitstellen kann, die es in Innovationsprojekten braucht. In solchen Fällen sollte es möglich sein, dass Arbeiten von ausländischen Forschungspartnern durchgeführt werden und grenzüberschrei- tende Kooperationen gefördert werden. Der Bundesrat hat im Innosuisse-Gesetz (Art. 4, Abs. 1) eine Kooperation mit ausländischen Förderorganisationen oder Förderstellen grundsätzlich bei grenzüberschreitenden Innovationsprojekten vorgesehen (siehe auch Abschnitt 7 der Beitragsver- ordnung Innosuisse) und in den strategischen Zielen der Innosuisse die Erwartung formuliert, dass bis Ende 2018 eine Strategie dazu erarbeitet wird. Diese Strategie sollte im Sinne der Unternehmen die Herbeiziehung ausländischer Forschungspartner immer dann ermöglichen, wenn es dem Pro- jekterfolg zuträglich ist. Chancenorientierte Projekte leiden unter den nicht nur aus der Schweiz bekannten und viel disku- tierten Finanzierungsengpässen in frühen Projektphasen des Proof-of-Concept, der Erarbeitung von Prototypen oder des Up-Scaling vom Prototypen zum marktfähigen (Serien-)Produkt und der Ent- wicklung eines Produktionssystems. In den letzten Jahren sind auf der Ebene der Forschungsorga- nisationen entsprechende Finanzierungslösungen entstanden6 und auch Innosuisse und SNF haben neue Programme dazu aufgelegt (F&E-Projektförderung ohne Umsetzungspartner, BRIDGE). Diese Förderung schliesst eine wichtige Lücke und es besteht hoher Bedarf: die Förderquoten für BRIDGE Proof-of-Concept werden mit 18%, für BRIDGE Discovery sogar nur mit 7% angegeben (http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news_190522_bridge_schlaegt _bruecken.aspx). Dies spricht dafür, die Programme künftig auszuweiten. Nicht nur die Projektinitialisierung stellt Herausforderungen an die Beteiligten, auch die Umsetzung kann an Hemmnisse stossen, die letzten Endes mitentscheiden, ob ein Problem tatsächlich gelöst wird oder ob aus einer guten Idee ein marktfähiges Produkt wird. Die Erkennung und Lösung der 6 Z.B. EPFL Innogrants (https://www.epfl.ch/innovation/entrepreneurship/start-your-venture/innogrants/), ETH Pioneer Fellowships (https://www.ethz.ch/en/industry-and-society/entrepreneurship/pioneer-fellowships.html) oder UZH Entre- preneur-Fellowships BioTech und MedTech (https://www.researchers.uzh.ch/en/funding/postdoc/bioentrepreneur- fellowships.html). Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 147 Probleme liegt aber in den Projekten und bei den Projektbeteiligten und es schwierig, aus der Per- spektive der Innovationsförderung hier gangbare Unterstützungsmassnahmen zu formulieren, die über die Coaching- und Trainingsangebote etwa der Innosuisse im Rahmen der Start-up Förderung hinausgehen. Tabelle 24: Fokus der Innovationsförderung Projekttyp Problemorientierung Chancenorientierung Überblick zur heute bestehenden För- derung F&E-Projektförderung der Innosuisse WTT-/Clusterförderung der Innosuisse SNF- und EU-Forschungsförderung BRIDGE Proof-of-Concept/Discovery Förderungen Proof-of-Concept Förderung der F&E-Organisationen F&E-Projektförderung ohne Umsetzungspartner, Start- up Förderung, WTT-/Clusterförderung der Innosuisse diverse Wettbewerbe Massnahmen bei der Projektinitiali- sierung Initialisierung nur durch Unternehmen möglich Definition der förderfähigen praktischen Probleme: alle Probleme, die für die Lösung wissenschaftliche Metho- den brauchen Matching von Unternehmen und wissenschaftlichen Problemlösern (im In- und Ausland) Initialisierung nur durch Forschungsorganisationen und Start-up Unternehmen möglich Mehr Gelegenheiten durch mehr Grundlagen- und Brü- ckenfinanzierung Matching von Unternehmen und wissenschaftlichen Problemlösern (im In- und Ausland) Mobilisierung zusätzlicher privater Finanzierung (für Technologieentwicklung, Up-Scaling, Markteinführung) (Massnahmen bei der Umsetzung) (Schaffung von Akzeptanz für die externe Problemlö- sung im Unternehmen, Integration) (Unterstützung bei der Definition von Geschäftsmodell und Value Proposition) Befragung der Wissenschaftsorganisationen Die Beteiligung der Institute am Wissensaustausch ist beachtlich hoch: mehr als drei Viertel aller In- stitute haben zwischen 2015 und 2017 mit Unternehmen in der Schweiz zusammengearbeitet und über 60% mit Unternehmen im Ausland. Diese Zusammenarbeit erfolgt primär aus wissens- und an- wendungsbezogenen Motiven und soll aus Sicht der Institute die Forschung stärken und helfen, praktische Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft zu lösen. Weiterhin dient sie der zusätzlichen Finanzierung der Forschung (Drittmittel). Die grosse Internationalität ist zentral, weil sie den Zugang zu Kompetenzen und Ressourcen gestattet, die die Schweiz selbst nicht hat. Je nach Organisation (ETH-Sektor, Universität, FH, ausseruniversitär), Fachgebiet und Grösse un- terscheiden sich die Intensität der Beteiligung im Wissensaustausch, die Partner und die eingesetz- ten Mechanismen und Formen. Der Wissensaustausch bildet für Institute mit einem Fokus auf aF&E und Beratung, etwas mehr als ein Fünftel aller Institute, eine Kernaufgabe. Diese Institute, primär ingenieurwissenschaftliche Insti- tute und FH-Institute, arbeiten auf vielen Wegen und unter Nutzung der ganzen Bandbreite formaler und informeller Instrumente mit Unternehmen zusammen. Sie setzen am häufigsten auch Anreize in der Form von Belohnungen für besondere Leistungen im Wissensaustausch und gestalten ihre Re- geln positiv für die Arbeit in, für und mit privaten Unternehmen aus. Als weniger positiv werden von diesen Instituten die Regeln für die Gründung von Spin-offs und allgemein Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen wahrgenommen. Hier scheinen noch weitere Abklärungen notwendig, worin genau Optimierungsbedarf und -potenziale bestehen. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 148 Die Hälfte aller Institute lassen sich gemäss ihrer Mission als Grundlageninstitute mit Anwendungs- orientierung bezeichnen und gehören etwa zu gleichen Teilen Universitäten und dem ETH-Sektor an (und zu 10% ausseruniversitären Organisationen). Für sie stehen Grundlagenforschung an erster und die Ausbildung von Doktoranden an zweiter Stelle; angewandte F&E und Lehre auf Bachelor- und Masterebene folgen in der Bedeutungsskala. Abgesehen von der angewandten F&E kommerzi- alisieren diese Institute ihr Wissen ebenso häufig wie die erste Gruppe über Lizenzen oder Spin-offs und verfügen auch über interne Regelungen und eine Organisationskultur, die dies unterstützen. Trotz der expliziten Anwendungsorientierung arbeiten sie aber vergleichsweise wenig in Forschung und Lehre mit Unternehmen zusammen, was v.a. aus fehlenden Erfahrungen und Vorbehalten ge- genüber der Praxis in Unternehmen und den Anforderungen an Geheimhaltung oder Publikationen resultiert. Wenn es gelingt solche Vorbehalte abzubauen und die Vereinbarkeit von Open Science und der Arbeit mit Unternehmen zu garantieren, dann wäre dies für den Wissensaustausch ohne Zweifel förderlich. Die beiden verbleibenden Typen, Grundlageninstitute mit Ausbildungsmission und Anwendungsori- entierte Institute mit praktischem Dienstleistungsauftrag, machen zusammen 30% der Institute aus und sind in 7 von 10 Fällen Universitätsinstitute. Ihr Fokus liegt neben der Forschung entweder auf der Lehre oder auf praktischen Dienstleistungen für die Gesellschaft. Sie gehören zu einer Naturwis- senschaft, der Medizin oder den Agrarwissenschaften und geben mit Abstand die geringste Motiva- tion zur Arbeit mitprivaten Unternehmen an. Sie weisen am häufigsten auf ein geringes Interesse privater Unternehmen an ihrer Arbeit, fehlende Kapazitäten, mögliche Konflikte zwischen Wissen- saustausch und anderen Aufgaben und interne regulatorische Barrieren hin. Interne Anreize zur Be- teiligung im Wissensaustausch bestünden zwar zum Teil, aber sie zeigen aus diesen Gründen nur eine geringe Wirkung. Ansatzpunkte zur Steigerung des Wissensaustauschs bestehen in erster Linie über die Intensivierung lehrbasierter Mechanismen (Grundlageninstitute) und zusätzliche Ressour- cen für den Wissensaustausch (Anwendungsorientierte Institute mit Dienstleistungsauftrag). Das Innovationsökosystem der Schweiz verfügt über eine Vielzahl verschiedener intermediärer Or- ganisationen (IO), die im Auftrag von Bund, Kantonen, Gemeinden, Hochschulen, Wirtschaftsorgani- sationen, Stiftungen oder anderen gesellschaftlichen Gruppen den Wissensaustausch befördern. Die grösste Bedeutung ordnen die befragten Institute der (finanziellen) öffentlichen Innovationsförde- rung zu, gefolgt von den Wissens- und Technologietransferstellen. Jede der weiteren Organisations- typen, Innovations- oder Wissenschaftsparks, Inkubatoren und Gründerzentren, Fonds oder Zu- schüsse für Entwicklung und Kommerzialisierung, kooperative Forschungszentren, Clusterorganisa- tionen und internetbasierte Tools, alleine wird von 80–90% der Institute als wenig bedeutend be- zeichnet und weist damit eine geringe Breitenwirkung auf. Die Vielfalt und Fragmentierung der IO ist für dieses Bild mit verantwortlich. Die Analyse zeigt, dass diejenigen Institute bei den Kommerziali- sierungsindikatoren besser abschneiden, die – neben der öffentlichen Innovationsförderung und den WTT-Stellen – auch Fonds oder Zuschüssen für Entwicklung und Kommerzialisierung und Innovati- ons- oder Wissenschaftsparks grosse Bedeutung geben. Bedeutende IO unterscheiden sich von Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 149 den weniger bedeutenden IO dadurch, dass sie eine etwas stärkere interne Verankerung in der Or- ganisation haben, stärker fachspezifisch und weniger fachübergreifend arbeiten, Kenntnis zu Märk- ten und Kunden mitbringen und aus Sicht der Wissenschaft interessante Veranstaltungen durchfüh- ren. An diesen Ergebnissen und Charakteristiken kann die Arbeit der intermediären Organisationen anknüpfen: Sie könnten ihre Sichtbarkeit und Wahrnehmung und damit auch ihre Effektivität steigern, wenn sie die häufigen kleinen und unkoordinierten Veranstaltungen durch eine geringere Anzahl grösserer, gemeinschaftlich getragener und hochwertig besetzter Veranstaltungen ergänzen oder sogar erset- zen würden. Solche Veranstaltungen sollten fachspezifisch sein, wie auch die anderen Unterstützungs- und Ver- netzungsaktivitäten, und die fachliche Fokussierung und der fachspezifische Kompetenzaufbau soll- ten hohe Priorität in jeder IO erhalten. Nicht zuletzt fehlen den Instituten in vielen Fällen die Kenntnisse über und der Zugang zu Kunden und Märkten. Dieses komplementäre Wissen ist aber für erfolgreichen Wissensaustausch essenziell und ebenfalls ein möglicher Beitrag einer IO. Nicht nur spezifische fachliche und wirtschaftliche Kenntnisse sind für den Support des Wissensaus- tauschs wichtig, sondern auch vielfältige rechtliche Kenntnisse und Erfahrungen. Dass IO und Coa- ches über diese breite Wissensbasis verfügen bzw. qualifizierte von unqualifizierten Coaches und Consultants besser unterschieden werden können, kann ein wichtiger Beitrag der Innovationspolitik sein. Weiterbildungsangebote und Zertifizierungen könnten dies leisten. Die Motivation zum Wissensaustausch ist in den FH-Instituten, die weitgehend identisch sind mit dem Cluster der Institute mit Fokus auf aF&E und Beratung, zweifelsohne am grössten. Die wich- tigsten Barrieren, die diese Institute im Wissensaustausch bewältigen müssen, sind fehlende Finan- zierung, hohe Belastung durch Lehre oder andere Aufgaben und wenige Ressourcen auf der Seite der Unternehmen. Auch bei den ETH-Instituten ist die Motivation zum Wissensaustausch hoch, aber klar der Grundlagenarbeit und exzellenten Forschung nachgeordnet. Potenzielle Konflikte zwischen diesen Aufgaben und mögliche Beeinträchtigungen der Forschungstätigkeit sind deshalb ernst zu nehmende Vorbehalte gegen den Wissensaustausch, die auch gegenüber den Unternehmenspart- nern kommuniziert werden sollten, um Verständnis zu wecken. Etwa die Hälfte der Universitätsinsti- tute ist sehr ähnlich zu diesen ETH-Instituten. Die andere Hälfte hat einen Fokus auf Forschung und Lehre oder auf Forschung und praktischen Dienstleistungen für die Gesellschaft. Diese Institute brin- gen im Vergleich die geringste Motivation für den Wissensaustausch mit und schaffen es nur selten interne Hemmnisse (Belastung durch andere Aufgaben, aufwendige Verfahren im WTT, fehlende Ressourcen und Finanzierung) und externe Barrieren (geringes Interesse der Unternehmen an ihrer Arbeit) zu überwinden. Die ausseruniversitären Institute setzen sich aus sehr unterschiedlichen Or- ganisationen zusammen: etwa dem CERN, das exzellente Forschung in der Grundlagenphysik be- treiben und die Grenzen von Wissenschaft und Technik verschieben möchte; oder dem CSEM, wel- Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 150 ches Grundlagenforschung in neue Prozesse umwandeln, innovative Produkte entwickeln und In- dustrie und Gesellschaft bei der Vorbereitung auf die Zukunft unterstützen möchte. Entscheidungs- lage und Unterstützungsbedarf bezüglich Wissensaustausch hängen stark von diesem Selbstver- ständnis ab. Wissens- und Technologietransfer der Wissenschaftsorganisationen in der Schweiz 151 6 Literaturverzeichnis Abreu, M., & Grinevich, V. (2013). The nature of academic entrepreneurship in the UK: Widening the focus on entrepreneurial activities. Research Policy, 42(2), 408–422. Abreu, M., Grinevich, V., Hughes, A., & Kitson, M. (2009). 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